Mann schaut in den Himmel mit Sonnenstrahlen

Unfair. Und genau darum Vergebung.

Jürgen Ferrary
9. August 2025

Einer der Sätze, die Kinder in der Schule am häufigsten sagen, lautet:“Das ist unfair.“
Du leitest ein Spiel und bist Schiedsrichter – du hörst ihn.
Du gibst Noten bekannt – du hörst ihn.
Du wählst jemanden zum Austeilen aus – du hörst ihn.

Ob das in dem Moment stimmt oder nicht: Eins ist klar – das Leben hier auf der Erde ist oft unfair.
Weil wir Menschen uns meist von unserem Ego leiten lassen und uns wichtiger nehmen als andere.

Dieses Phänomen ist übrigens auch bei Christen nicht ausgerottet.
Und es gibt einen Punkt, da möchte ich selbst laut rufen: „Das ist unfair!“
Nämlich, wenn Gott mich auffordert, anderen zu vergeben.

Paulus schreibt:

„Liebe Freunde, verschafft euch nicht selbst Recht. Überlasst vielmehr Gott das Urteil, denn er hat ja in der Heiligen Schrift gesagt: ‚Es ist meine Sache, Rache zu üben. Ich, der Herr, werde ihnen alles vergelten.‘“ (Römer 12,19 HfA)

Ja, es ist unfair, wenn du darauf verzichtest, dich zu rächen, und stattdessen vergibst.
Du hast absolut recht! Niemand hat gesagt, dass Vergebung gerecht ist.

Aber war es gerecht, dass ein unschuldiger Mann – Jesus – für dich und mich am Kreuz gestorben ist?
War es gerecht, dass er diese Qualen auf sich genommen hat, damit wir frei sein können?

Ganz ehrlich: Wir wollen doch gar nicht, dass Gott fair zu uns ist.
Wenn er das wäre, müssten wir für jede Lüge, jede Lästerei, jede böse Fantasie, jeden Stolz und jede verletzende Tat bezahlen.
Wir wollen, dass Gott gnädig zu uns ist.
Dass er unsere falschen Entscheidungen nicht gegen uns verwendet, sondern uns hilft, wenn wir scheitern.

Aber genauso, wie Gott uns gegenüber gnädig ist, sollen wir anderen gnädig sein.
Paulus erinnert uns daran: Das Leben hier ist nicht gerecht, aber Gott wird als gerechter Richter das letzte Wort haben.
Er wird offene Rechnungen begleichen, er wird für uns eintreten.
Vielleicht schon hier, vielleicht erst in der Ewigkeit – aber er wird uns nicht vergessen.

Deshalb: Überlass Gott den Teil mit der Gerechtigkeit.
Alles andere schadet dir nur selbst.

Unser Teil ist es, zu vergeben, damit in unserem Herzen Frieden einkehrt und wir unser Leben weiterleben können.
Wenn wir nicht bereit sind zu vergeben, wird sich die Verletzung wie ein Geschwür in uns festsetzen.
Wir werden bitter, aggressiv, unruhig.
Wir verlieren Frieden und Freude.
Dem, der uns Unrecht getan hat, ist das vielleicht egal – aber uns zerfrisst es innerlich.

Paulus warnt:

„Achtet darauf, dass keiner von euch an Gottes Gnade gleichgültig vorübergeht, damit sich das Böse nicht bei euch breitmacht und die ganze Gemeinde verseucht.“ (Hebräer 12,15 HfA)

Unvergebene Verletzungen sind wie ein Gift, das dich von innen auffrisst.
Ärzte sagen, dass verborgene Bitterkeit sogar gesundheitliche Folgen haben und dein Leben verkürzen kann.

Wenn du am Groll festhältst, erlaubst du dem Menschen, der dich in der Vergangenheit verletzt hat, dich auch heute noch zu verletzen.
Die Vergangenheit heißt „Vergangenheit“, weil sie vergangen ist.
Warum erlaubst du, dass sie dich heute noch im Griff hat?

Du kannst deine Vergangenheit nicht ändern, aber du kannst heute deine Freiheit wählen, indem du vergibst.
Du nimmst dir selbst die Last von den Schultern, wenn du loslässt.

Vertraust du Gott als deinem liebenden Vater?
Dann bring ihm das Unrecht, das dir angetan wurde, und gib ihm deine negativen Gefühle ab.
Er wird sich darum kümmern und dein Herz mit Frieden füllen.

Fang heute an:
Schreib auf, was du noch mit dir herumschleppst.
Leg es bewusst ans Kreuz.
Verbrenne den Zettel oder vernichte ihn im Schredder.
Du wirst sehen, wie befreiend das ist.

Gott wird gerecht sein – und du darfst frei sein.

Sei gesegnet!

„Ressentiments sind wie Gift, das man trinkt und dann hofft, dass es seine Feinde tötet.“ (Nelson Mandela)

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